Englisberg, nordwestliche Richtung
Wappen "alt Oberherren von Englisberg", datiert 1799

Guggisberg von Englisberg

Aeltester bekannter Stammvater ist Christian [1], Landwirt zu Kühlewil und gleichzeitig Ausburger der Stadt Bern. Er scheint frühzeitig, um ca. 1535, gestorben zu sein. Seine Nachkommen erwarben im 17. Jahrhundert Teile der Herrschaftsrechte von Englisberg; daher kommt der heute noch verwendete Uebername "Oberherren". Hans [2], geboren 1648, Urururenkel von [1], heiratete 1674 die aus Obermuhlern stammende Magdalena Schmutz. Dessen ältester Sohn, Bendicht [3], geboren 1676, wurde zum Stammvater des heutigen "s’Ammes"-Zweigs. Seine direkten Nachfahren bewirtschaften noch heute den Bauernbetrieb "Oberhaus" am oberen Dorfrand von Englisberg. Bendichts Bruder Hans [4], geboren 1683, konnte den elterlichen Hof seiner Mutter in Obermuhlern übernehmen und begründete einen Zweig der heute dort heimatberechtigten Familien Guggisberg. Dessen Nachkommen, obwohl Burger von Obermuhlern, tragen noch immer den alten Englisberger Uebernamen "Oberherren" (vgl. Guggisberg von Obermuhlern). Christian [5], geboren 1685, jüngster Bruder von Bendicht [3], übernahm den Betrieb seines Onkels Abraham Guggisberg (geb. 1665) am unteren Dorfende von Englisberg. Seine Nachfahren, genannt "s’Hanses", repräsentieren den zweiten Hauptzweig der modernen Englisberger Familien. Der "s’Ammes"-Zweig ist noch heute zahlreich im Ort vertreten, wogegen die meisten von den "s’Hanses" abgewandert sind. Die Familie betrieb in der grossen Mehrheit bis ins 20. Jahrhundert das Bauerngewerbe. Erst nach dem 1. Weltkrieg setzten sich nach und nach andere Berufsgattungen durch.

Mitte des 17. Jahrhunderts zog Christian [6], geboren 1635, Ururenkel von [1] und Onkel von [2], in den Weiler Niederhäusern bei Obermuhlern. Dessen Enkel, Paul [7], geboren 1687, heiratete 1713 Anna Hugi aus Niedermuhlern. Er zog um 1720 ins "Bühl", in den Bauernbetrieb seines Schwiegervaters, und begründete die moderne Familie Guggisberg von Niedermuhlern (vgl. Guggisberg von Niedermuhlern). Hans [8], geboren 1662, jüngerer Sohn von Christian [6], etablierte sich als Müller in Rüti bei Riggisberg. Er begründete die "Holterer und Maueler"- sowie die "Holterer und Haseler"-Zweige der Familie, mit Heimatrecht in Obermuhlern. Sein Sohn Paul [9], Geburtsjahr unbekannt, betrieb eine Mühle im Laubeckgraben zu Boltigen im Simmental. Ein weiterer Sohn, Christian [10], geboren 1695, war Müller zu Grindelwald und Diemtigen. Die Sippe des Paul ist im männlichen Stamm ausgestorben. Jene des Christian dagegen kehrte ins angestammte Obermuhlern zurück und ist heute ebenfalls ausgestorben. Vom Englisberger Stamm existiert ein Wappen (Obermuhlern/Oberherren-Zweig) aus dem Jahre 1799.

Guggisberg von Obermuhlern

Wie Niedermuhlern ist auch Obermuhlern kein ursprünglicher Heimatort der Familie Guggisberg. Die vier existierenden Zweige stammen je zur Hälfte aus den alten Dorfgemeinden Englisberg und Zimmerwald.

Obermuhlern war bis ins 18. Jahrhundert der dominierende Ort des Kirchenspiels von Zimmerwald. Dies änderte sich am 24. März 1780, als das Dorf fast vollständig einer grossen Feuersbrunst zum Opfer fiel. Nach dem Wiederaufbau zogen die meisten Handwerker in das verkehrsmässig günstiger gelegene Zimmerwald, welches dadurch mehr und mehr an Bedeutung gewann. Seit diesem folgenschweren Unglück sind mehr als 200 Jahre vergangen. Die ehemalige Dorfgemeinde Obermuhlern besteht noch als bäuerlicher Weiler, etwas abseits von der über den Längenberg führenden Hauptstrasse gelegen. Die ehemals separat geführten Burger "von Obermuhlern" und "von Zimmerwald" werden heute nur noch als Burger von Zimmerwald bezeichnet.

Zweig "Oberherren"

Der Uebername "Oberherren" dieses Zweiges verweist auf dessen Verbindung zum Englisberger Stamm der Familie (vgl. Guggisberg von Englisberg). Stammvater ist Hans [1], 1683 zu Englisberg geboren und durch Erbschaft im Besitz des Bauernhofes seiner Grosseltern mütterlicherseits in Obermuhlern. Sein älterer Sohn, Bendicht [2], geboren 1711, konnte den Betrieb durch Landerwerb massiv erweitern und wurde dadurch zu einem der wohlhabensten Bauern der Gegend. Allgemein geachtet und respektiert amtete Bendicht lange Jahre als Ammann von Obermuhlern und auch als Chorrichter der Kirchgemeinde Zimmerwald. Wie bei vielen anderen, fiel auch Bendichts Heimwesen anlässlich des Dorfbrandes von Obermuhlern vom 24. März 1780 den Flammen zum Opfer. Als Ersatz des verbrannten Bauernhauses kaufte er im benachbarten Rüeggisberg ein existierendes Gebäude, liess dieses in seine Bestandteile zerlegen und am Brandplatz in Obermuhlern auf den alten Fundamenten wieder aufrichten. Zum Teil fanden auch angebrannte Balken des vorherigen Hauses neue Verwendung. Dieses Heimwesen, in Erinnerung an seinen einfallsreichen Bauherrn "Chorrichterhaus" genannt, existiert noch heute. Es befindet sich noch immer im Besitz von Bendichts direkten Nachfahren. Christian [3], jüngerer Sohn von Hans [1], geboren 1720, übernahm ein Heimwesen im nahen Ortsweiler Niederhäusern. Er diente jahrelang als Unteroffizier in der bernischen Miliz-Armee. Dessen Sohn, Christian [4], geboren 1749, führte den Betrieb zu Niederhäusern weiter und diente, wie schon sein Vater vor ihm, ebenfalls als Unteroffizier in der Armee. In Anlehnung an diese Tradition tragen seine Nachkommen noch heute den Uebernamen "Trüllmeisters". Vom Oberherren-Zweig existiert ein Wappen aus dem Jahre 1799.

Zweig: "Holterer und Maueler" und "Holterer und Haseler"

Die "Holterer und Maueler", sowie "Holterer und Haseler" genannten Zweige stammen ursprünglich aus Englisberg und sind zudem noch dem Niedermuhlern-Stamm "im Bühl" verwandt (vg. Guggisberg von Englisberg). Stammvater ist Hans [1], 1662 im Weiler Niederhäusern bei Obermuhlern geboren. Er verheiratete sich 1687 mit Johanna Gasser und etablierte sich als Müller in Rüti bei Riggisberg. Er begründete eine mehrere Generationen währende Müllerdynastie. Paul [2], älterer Sohn des Hans, Geburtsjahr unbekannt, zog nach Boltigen im Simmental und betrieb eine Mühle im Laubeckgraben. Diese blieb bis Ende des 18. Jahrhunderts im Besitz derselben Familie. Der jüngere Sohn, Christian [3], geboren 1695, übernahm eine Mühle in Grindelwald und später eine solche in Diemtigen. Es scheint, dass er im Müllerberuf nicht sehr erfolgreich war; denn in späteren Jahren finden wir ihn, nunmehr Taglöhner und armengenössig, im Schulhaus von Niedermuhlern lebend. Die Sippe des Paul [2], genannt "Holterer und Maueler", ist seit dem 19. Jahrhundert im männlichen Stamm ausgestorben; sie besteht lediglich noch als indirekte (unehliche) Linie weiter. Jene des Christian [3], "Holterer und Haseler" genannt, fand in die angestammte Heimatgemeinde Obermuhlern zurück; sie ist heute ausgestorben.

Die genaue Bedeutung der beiden Uebernamen konnte trotz intensiver Nachforschungen nicht in Erfahrung gebracht werden. Der Ausdruck "Maueler" ist vermutlich auf "mahlen", also auf den Müllerberuf zurückzuführen. Die Ausdrücke "Holterer" und "Haseler" könnten vielleicht als geografische Bezugsnamen, wie "wohnhaft auf der Holdern oder im Hasli", gedeutet werden. Tatsächlich gibt es wenigstens einen Flurnamen Hasli in Rüti bei Riggisberg.

Guggisberg von Niedermuhlern

Niedermuhlern ist kein ursprünglicher Heimatort. Die drei in diesem Ort beheimateten Familien sind im 18. Jahrhundert aus Englisberg/Niederhäusern und Zimmerwald zugezogen. Für mehrere Jahrzehnte lebten sie lediglich als Hintersässen im Ort. Dieser rechtliche Status erlaubte ihnen den Wohnsitz in der Gemeinde, jedoch unter Ausschluss der Rechte an der Allmend und am Armengut. Zudem hatten Hintersässen eine besondere Steuer zu entrichten. Bei Armut wurden sie, nach damaligem Recht, in die Heimatgemeinde abgeschoben. Dieser Umstand änderte sich mit dem Einmarsch der Franzosen im Jahre 1798 und dem daraus resultierenden Zusammenbruch des Ancien Régime. Die neue Ordnung verlangte, dass den früheren Hintersässen nunmehr das Heimatrecht des Wohnortes übertragen werden musste, falls diese nicht einen Heimatschein der angestammten Herkunftsgemeinde hinterlegt hatten.

Zweig "im Bühl"

Diese Familie geht zurück auf Paul Guggisberg [1], geboren 1687 zu Niederhäusern und dem Englisberg-Stamm der Familie angehörend (vgl. Guggisberg von Englisberg). Er verheiratete sich 1713 mit Anna Hugi aus Niedermuhlern und bewirtschaftete mehrere Jahre lang den väterlichen Bauernhof. Um 1720 ergab sich für ihn die Möglichkeit, den Betrieb seines Schwiegervaters zu Niedermuhlern, das "Bühl", zu übernehmen. Einer von Pauls Enkeln, Christian [2], geboren 1766, zog zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Pächter nach Gümligen, auf das der Stadt Bern gehörende Bauerngut "im Melchenbühl". Er ist der Stammvater aller heute existierenden Niedermuhlern Burger der Familie.