Guggisberg von Zimmerwald Der Weiler Niederhäusern bei Zimmerwald gilt als der ursprüngliche Herkunftsort der Familie Guggisberg; er wurde bereits im ausgehenden 15. Jahrhundert von dieser bewohnt. Um 1479 wird Hentzmann Guggisberg zu Niederhäusern Burger der Stadt Bern. Um sich nicht unnötig finanziell wegen des obligatorischen Grundstückserwerbs in der Stadt zu belasten und um das Recht beizubehalten, weiterhin auf dem Lande als freier Bauer zu wirtschaften, entschied er, der Stadt einen jährlichen Udelzins zu entrichten. Auf diese Weise konnte er sich von weiteren Auflagen und Lasten freihalten. Es darf davon ausgegangen werden, dass zu Beginn des folgenden Jahrhunderts ein Teil der Familie von Niederhäusern in das nahe Kühlewil bei Englisberg zog und damit den zweitältesten Heimatort begründete. Eine oder zwei Generationen später stieg eine weitere Gruppe ins Gürbetal hinab und nahm Wohnsitz im Gemeindebann von Belp. Deren Nachfahren wurden die heutigen Belp Burger der Familie. Dieser Hergang lässt sich schemenhaft von älteren Rechtsquellen des Staates Bern, den sogenannten Urbarien des frühen 16. Jahrhunderts ableiten. Im Jahre 1545 wurde ein Hans Guggisberg aus Niederhäusern zum Freiweibel des alten Landgerichts Seftigen (Stellvertreter des Venners, des von der Stadt Bern eingesetzten Statthalters) ernannt. Ein Zweig der Familie nahm zu Ende des 15. Jahrhunderts festen Wohnsitz in der Stadt Bern und gelangte dort zu hohem Ansehen (Ulrich, des Rats, Stiftsschaffner zu Zofingen; dann Hans, sein Sohn, ebenfalls des Rats; mit dem Tod des letzteren am 1. April 1560 ist dieser Zweig erloschen). Im Jahre 1558, anlässlich der Feuerstättenzählung, gab es in Zimmerwald bereits sieben Guggisberg Haushaltungen. Die heutigen Zimmerwald Burger der Familie lassen sich in zwei grosse Hauptstämme aufteilen, in jene vom Wald und in jene der Dorfburger. Zweig "Im Wald" Gegen Ende des 16. Jahrhunderts scheint sich der aus Niederhäusern stammende Christian Guggisberg [1] im Zimmerwaldner Ortsweiler Wald niedergelassen zu haben. Nicht sehr viel ist über ihn überliefert, ausser dass er sich im Jahre 1591 mit Anna Gurtner verehelichte, welche ihm mehr als ein Dutzend Kinder schenkte. Die genaue Zahl der Kinder ist leider unbekannt, denn mehrere Jahrgänge fallen in die Zeit der fehlenden Seiten im Taufrodel von Belp (1605-1611). Sein Sohn, Christian [2], geboren 1593, gilt als der eigentliche Stammvater dieses Zweigs. Er verehelichte sich 1619 mit Barbara Zehnder. Aus dieser Ehe entsprossen 13 Kinder. Lienhart [3], geboren 1625, Sohn von [2], heiratete 1653 Anna Stucki. Er scheint den elterlichen Betrieb im Wald übernommen zu haben. Dessen Enkel, Christian [4], 1689-1760, erwarb mitte des 18. Jahrhunderts den Betrieb an der Halten bei Obermuhlern und begründete die traditionsreiche, bis ins ausgehende 20. Jahrhundert existierende Bauerndynastie am selben Ort. Aus dieser Familie wanderten zwischen 1880 und 1900 mehrere Mitglieder nach Texas, USA aus. Lienharts jüngerer Bruder, Christian [5], geboren 1627, übernahm im in der Gemeinde Belp liegenden Weiler Hofmatt einen landwirtschaftlichen Betrieb. Seine Nachkommen fanden jedoch mehrere Generationen später wieder zurück nach Zimmerwald, wo sie das Heimwesen Neuhaus bewirtschafteten. Diese Linie ist jedoch heute ausgestorben. Ein weiterer Bruder Lienharts, Vinzenz [6], geboren 1633, verehelichte sich 1660 mit Barbara Zimmermann. Ob er zusammen mit seinem älteren Bruder arbeitete oder einen eigenen Betrieb besass, lässt sich nicht mehr eruieren; auf jeden Fall lebte er ebenfalls im Wald. Er wurde zum Stammvater der späteren Gemeindeschreiber-Dynastie, genannt Gemeindeschreibers und Albrechts. Aus letzterem Zweig entstammten die vier Gemeindeschreiber, welche für mehr als hundert Jahre die administrativen Geschäfte der Gemeinden Englisberg, Niedermuhlern, Obermuhlern und Zimmerwald führen sollten. Von diesem Stamm existiert ein Familienwappen (Hofmatt-Zweig) aus dem Jahre 1788. Zweig "Dorfburger" Aeltester nachweisbarer Vorfahre ist Bendicht [1], vermutlich ein Sohn des Bendicht, welcher sich im Jahre 1619 mit Barbara Hänni verehelichte. Dessen Enkel, Hans [2], geboren 1664, gestorben um 1722, heiratete 1688 Magdalena Habegger. Er erwarb zu Anfang des 18. Jahrhunderts bei Schwarzenegg im Amtsbezirk Thun den Bauernhof Zulghalten und wurde zum Stammvater des Schwarzenegger-Zweigs der Familie. Der Bauernbetrieb sollte der Familie mehrere Generationen lang (fast 150 Jahre) erhalten bleiben und ging erst nach mitte des 19. Jahrhunderts in andere Hände über. Zur selben Zeit wanderten mehrere Familienmitglieder nach Nordamerika aus. Einige davon, die Brüder Friedrich, Christian, Jakob und Johannes, siedelten sich in der Nähe von Fort Dodge, im Bundesstaat Iowa als Farmer an. Deren zahlreiche Nachkommen sind heute fast überall in den USA anzutreffen. Ein weiterer Enkel von [1], Hieronimus [3], 1674-1748, verheiratet 1695 mit Catharina Balsiger, übte das Amt des Waldammanns (eine Art Förster) von Zimmerwald aus. Dessen ältester Sohn, Hieronimus [4], 1698-1748, erwarb um 1740 den Bauernbetrieb Fallenbach bei Niedermuhlern und begündete damit den Fallenbach-Zweig der Familie. Ein Teil dieses Zweiges erhielt im 19. Jahrhundert zusätzlich das Burgerrecht der Gemeinde Niedermuhlern. Dieses wurde jedoch nach wenigen Generationen wieder aufgegeben (vgl. Guggisberg von Niedermuhlern). Elias [5], der jüngere Sohn von Hieronimus [3], 1701-1767, heiratete 1723 Magdalena Streit und übernahm das Waldammannsamt vom Vater. Die Nachkommen des Elias wurden Dorfburger genannt; sie lebten hauptsächlich in der Nähe der Ortsmitte von Zimmerwald. Mehrere Mitglieder des Elias’-Zweiges wanderten im 19. Jahrhundert nach Nord- und Südamerika aus. Deren Nachkommen leben heute weit verstreut in den USA, Kanada und Chile. Von diesem Stamm existieren drei Familienwappen, zwei von der Fallenbach- und eines von der Dorfburgersippe. Zweig "Dachdecker in Bern" Der Stammvater dieses Zweiges ist Hieronimus [1], welcher 1707 zu Rüeggisberg geboren wurde. Seine Vorfahren gehörten zum Zimmerwaldner Stamm der Familie (vgl. Guggisberg von Zimmerwald, im Wald-Zweig). Hieronimus verehelichte sich mit Magdalena Kurz und lebte vorerst für mehrere Jahre in Worb. Um 1760 zog er in die Stadt Bern. Dort betrieb er mit seinem Sohn Johannes [2], geboren 1740, das Dachdeckergewerbe. Letzterer versah, vermutlich als Nebenerwerb, das Amt des Tambours der Stadtwache. Johann Jakob [3], geboren 1773 in Bern, einer der jüngeren Söhne von [2], übernahm vom Vater und Grossvater den Dachdeckerberuf. Zur Zeit Napoleons I. liess er sich von französischen Truppen als Söldner anwerben. Er soll 1808 im Spanien-Feldzug gefallen sein. Johann Jakobs jüngerer Sohn, Rudolf [4], geboren 1799, betrieb in Bern das Schreinerhandwerk, vermutlich in Anlehnung an den ebenfalls mit Holz arbeitenden Dachdeckerberuf seiner Vorfahren. Er starb 1849 ohne männliche Nachkommen. Sein älterer Bruder, Carl Samuel [5], geboren 1797, zog nach Frankreich. Er verdiente sich seinen Lebensunterhalt im Schuhmachergewerbe. Mit dem Tod von Carl Samuel in Lyon im Jahre 1883 gilt dieser Zweig als ausgestorben. Zweig "an der Halten" Der älteste Vorfahre dieses Zweiges ist Christian [1], geboren 1689 im Wald bei Zimmerwald, und dem dort angesessenen Stamm der Familie zugehörig (vgl. Guggisberg von Zimmerwald, im Wald-Zweig). Er erwarb um 1750 zusammen mit seinem jüngeren Sohn Christian [2], genannt der Posauner (1717-1786), das zu Obermuhlern gelegene Heimweisen "an der Halten". Es sollte für viele Generationen, bis Ende des 20. Jahrhunderts in den Händen derselben Familie verbleiben. Mehrere Familienmitglieder wanderten zwischen 1880 und 1900 als Farmer nach Amerika aus. Deren zahlreiche Nachkommen leben heute hauptsächlich im Nordwesten des Bundesstaates Texas. Zweig "Oberblacken" Diese heute nicht mehr existierende Familie geht auf Christian [1] zurück, geboren 1679 im Wald bei Zimmerwald (vgl. Guggisberg von Zimmerwald, im Wald-Zweig). Sein Sohn, Anthoni [2], boren 1709, pachtete einen kleinen Bauernbetrieb im Weiler Oberblacken bei Niedermuhlern. Dessen jüngerer Bruder, Christian [3], geboren 1717, wurde Söldner. Er starb 1758 in königlich preussischen Diensten in Böhmen. Anthonis Urenkel, Christian, geboren 1809, scheint in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zusammen mit seiner Frau und zwei seiner Kindern ausgewandert zu sein. Ueber deren Schicksal ist nichts bekannt. Lediglich eine Tochter, Anna, verblieb in der Heimat. Sie starb, unverheiratet und vermögenslos, im Jahre 1905. Mit ihrem Tod gilt die Familie als ausgestorben. Zweig "Fallenbach" Die vermögende, im Weiler Fallenbach angesessene Familie besass das Burgerrecht von Niedermuhlern nur durch Zufall. Diese Familie, dem Zimmerwaldner Dorfburger-Zweig angehörend (vgl. Guggisberg von Zimmerwald, Dorfburger-Zweig), behielt trotz des Wohnortes das Burgerrecht der Herkunftsgemeinde bei. Von einem der Nachkommen, Hieronimus [1], geboren 1732, vergass der Gemeindeschreiber, einen Heimatschein einzufordern. Dies hatte zur Folge, dass nach Ablauf einer gesetzlich vorgeschriebenen Frist er und seine Familie fortan auch noch das Burgerrecht von Niedermuhlern besassen. Für mehrere Jahre registrierte der Gemeindeschreiber, gleichzeitig für Zimmerwald/Obermuhlern und Niedermuhlern zuständig, alle zivilstandsamtlichen Veränderungen der Familie in den Burgerrodeln beider Gemeinden. Er musste aber später eingesehen haben, dass diese doppelte Arbeit lediglich einen kleinen Nutzen, wenn überhaupt, bedeutete. Er führte daher die Familie ab Mitte des 19. Jahrhunderts nur noch als Burger von Zimmerwald weiter. Von diesem Stamm existieren zwei Familienwappen. Zweig "Oberblacken" Diese heute nicht mehr existierende Familie geht auf Christian [1] zurück, geboren 1679 im Wald bei Zimmerwald (vgl. Guggisberg von Zimmerwald, im Wald-Zweig). Sein Sohn, Anthoni [2], geboren 1709, pachtete einen kleinen Bauernbetrieb im Weiler Oberblacken bei Niedermuhlern. Dessen jüngerer Bruder, Christian [3], geboren 1717, wurde Söldner. Er starb 1758 in königlich preussischen Diensten in Böhmen. Anthonis Urenkel, Christian, geboren 1809, scheint in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zusammen mit seiner Frau und zwei seiner Kindern ausgewandert zu sein. Ueber deren Schicksal ist nichts bekannt. Lediglich eine Tochter, Anna, verblieb in der Heimat. Sie starb, unverheiratet und vermögenslos, im Jahre 1905. Mit ihrem Tod gilt die Familie als ausgestorben. |